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Im grünen Bereich

Patrick Daepp führt in der fünften Generation die Firma Gartenpflanzen Daepp in Münsingen im Kanton Bern. Der Gartenbauingenieur schätzt die Tradition, setzt aber auch Visionen für einen individuellen Garten um.

«Von klein auf bin ich im Unternehmen verwurzelt.» Patrick Daepp, studierter Gartenbauingenieur, führt rund 45 Mitarbeitende.
«Von klein auf bin ich im Unternehmen verwurzelt.» Patrick Daepp, studierter Gartenbauingenieur, führt rund 45 Mitarbeitende.

Der erste Eindruck: Wir sind im Paradies. Die Fir­maGartenpflanzen Daepp befindet sich auf einer weitläufigen Fläche am Bärenstutz, einer Anhöhe etwas oberhalb des Dorfzentrums von Münsingen/BE. Hier werden über 200 000 verschiedene Pflanzensorten und -arten verkauft; vom einfachen Rosenstrauch bis formvollendeten Bonsai, der von Japan mit dem Schiff nach Europa transportiert wurde und so viel kostet wie ein gut ausgestatteter Kleinwagen. Unzählige schöne Pflanzen in vielen Farben und Formen gibt es hier. Mehr als zwei Drittel davon wurden an Ort und Stelle produziert.

Versteckspiel im Solitärpark
Das Ganze wirkt wie ein Wunder der Natur, das mit Umsicht und Sorgfalt von Menschenhand gepflegt wird. Die «Erlebnis-Baumschule» mit Staudengärtnerei und Gartencenter ist das Reich von Patrick Daepp, der das Unternehmen in der fünften Generation leitet. Und es scheint ganz so, als lebe der Firmeninhaber und Geschäftsführer mit Herzblut für die Gärtnerei. «Ich habe schon als kleiner Junge mit meiner Schwester im Solitärpark Ver­ste­cken gespielt», erzählt er, und seine Augen leuchten. Ins Metier ist er ganz natürlich hineingewachsen. Irgendwie war es klar, dass er Gärtner werden würde wie sein Vater, sein Grossvater und die Männer der Generationen davor. «Jedes Gespräch zu Hause am Mittagstisch drehte sich ums Geschäft. Meine Mutter war auch in der Firma tätig. Von klein auf bin ich im Unternehmen verwurzelt.»

Der Solitärpark mit den grossen, schönen Bäumen ist Patrick Daepps Lieblingsplatz geblieben. Es erfüllt ihn mit Stolz, seinen Gästen die Bäume zu zeigen, von denen einige mehr als hundert Jahre alt sind. Ein paar dieser Bäume haben schon sein Vater und sein Grossvater gepflegt – ein berührender Gedanke. Den Weg zum Solitärpark am Rand der ganzen Anlage braucht man als Besucher nicht zu Fuss in Angriff zu nehmen. Für die Tour durch Baumschule und Staudengärtnerei schnappt sich Patrick Daepp eines von rund einem Dutzend grasgrünen Elektrofahrzeugen und chauffiert seine Gäste mit 15 km/h persönlich durch die Gegend. Der Rundkurs durch die Produktion gehört zum Konzept. «Die Kunden sollen sehen, wo und wie die Pflanzen gehegt und gepflegt werden. Bei uns können sie genau das Stück auswählen, das ihnen am besten gefällt.» Ein neues Gartencenter mit Selbstbedienung und Beratung ergänzt das Angebot. Neben einer grossen Auswahl an Pflanzen findet man dort Artikel rund ums Gärtnern wie Erde, Gefässe und Dünger. Patrick Daepp hat lange darauf hingearbeitet: «Mit der ‹Erlebnis-Baumschule› mit Gartencenter ist für mich eine Vision wahr geworden.»

 
 
«Ich habe schon als kleiner Junge mit meiner Schwester im Solitärpark Verstecken gespielt», erzählt Patrick Daepp.
«Ich habe schon als kleiner Junge mit meiner Schwester im Solitärpark Verstecken gespielt», erzählt Patrick Daepp.
 
 

Ein Stück Natur zu Hause
Das Unternehmen beschäftigt heute rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, etwa 10 davon sind Lernende. Firmeninhaber Daepp engagiert sich auch im Berufsverband Jardin Suisse und war Vizepräsident der Schweizer Baumschulen. Seine Frau, mit der er eine kleine Tochter hat, arbeitet ebenfalls im Unternehmen mit. Zu den Kunden der Firma Gartenpflanzen Daepp gehören neben Privatkunden viele Landschaftsgärtner aus der ganzen Deutschschweiz. Klassischen Gartenbau betreibt das Unternehmen nicht mehr, sondern arbeitet in diesem Bereich mit Partnern zusammen. Konzepte für die Ge­staltung von Terrassen werden jedoch angeboten, und auch Pflanzenlieferungen mitsamt den passenden Gefässen übernimmt man auf Wunsch. «Wir freuen uns, wenn sich die Leute ein Stück Natur nach Hause holen und einen Kraftort schaffen», sagt Daepp. Den Trend zurück zur Natur sieht er als Gegenpol in einer Welt, die sich rasant verändert.

Einen grossen Wandel hat auch das Unternehmen durchgemacht. Gegründet wurde es 1875 von Adolf Daepp, damals noch in Oppligen, ebenfalls im Kan­ton Bern. 1888 gelang Adolf Daepp, dem Urur­grossonkel von Patrick Daepp, ein Coup: Ein Nachbar machte ihn auf einen Apfelsämling aufmerksam, der in besagtem Jahr erstmals Früchte trug. Adolf Daepp erkannte sofort, dass es sich um eine neue Sorte handelte. Er veredelte diesen Winterapfel und brachte ihn als «Neuer Berner Rosen Apfel» auf den Markt. Heute, über hundert Jahre später, gehört die «Berner Rose» zu den beliebtesten Gartenäpfeln.

1936 kam für das Unternehmen der Ortswechsel. Patrick Daepps Grossvater kaufte einen bestehenden Betrieb in Münsingen mit einer Baumschule. Der Grundstein für die jüngere Firmengeschichte am Bärenstutz war gelegt. Patrick Daepp mit Jahrgang 1976 übernahm vor 13 Jahren die Leitung des Unternehmens. Die Gärtnerei in Münsingen, erzählt er, sei auch in die Schweizer Literatur eingegangen: Der Schweizer Schriftsteller Friedrich Glauser wurde wegen seiner Morphiumsucht und psychischer Probleme im Psychiatriezentrum Münsingen behandelt. Während seines Aufenthalts arbeitete der Autor in der Gärtnerei und liess sich dadurch beim Schreiben inspirieren.

Einflüsse von Technik und Natur
Patrick Daepp, studierter Gartenbauingenieur, führt heute ein KMU. Vermisst er nicht den Kontakt mit der Natur, mit den Pflanzen? Manchmal schon, sagt er; logischerweise verbringe er viel Zeit im Büro und an Sitzungen. «Ich bemühe mich aber, möglichst viel draussen zu sein in den Kulturen. Am wohlsten fühle ich mich mit Menschen und Pflanzen.» In der Produktion kann manches schief laufen, wie er zu bedenken gibt. In den heissen und trockenen Sommern wird die Bewässerung zur immer grösseren Herausforderung. Die Technik ist ausgeklügelt, und Störungen müssen sofort behoben werden, um Verluste bei den Pflanzen zu vermeiden. Im Winter muss umgekehrt die Heizung in den Gewächshäusern stets tadellos funktionieren. Auch Hagel- und Frostschäden bei den Pflanzen, die im Freien kultiviert werden, sind in den letzten Jahren ein Thema. «Diese Hochs und Tiefs muss man als Firma aushalten. Mit gewissen Risiken muss man in unserer Branche leben», hält Daepp fest. Er will sich nicht beklagen, denn «wer bei der Arbeit auf die Natur angewiesen ist, hätte sonst immer zu jammern».

Seine Bodenständigkeit und sein Realismus sind wohl ein Stückweit auch auf seine Militärkarriere zurückzuführen. Patrick Daepp war Oberstleutnant im Generalstab und führte das Infanteriebataillon 11. So war er im Jahr 2012 Chef über rund 1000 Militärangehörige, die für die Sicherheit am World Economic Forum (WEF) in Davos zuständig waren. «Das Führen habe ich im Militär gelernt», sagt er. «Ich habe in der Armee viel Zeit verbracht und viel erlebt.» Seinen Führungsstil im Unternehmen beschreibt er als kooperativ. So hat er bei der Entwicklung des neuen Gartencenters die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbezogen. In Workshops konnten sie ihre Ideen deponieren, die dann in einen Wettbewerb unter zwei Architekturbüros eingeflossen sind. Durch das Gartencenter ging für ihn ein Traum in Erfüllung, mit dem das tradi­tionsreiche Unternehmen mit den ausgedehnten Kulturflächen noch aufgewertet wird. «Wir haben das Privileg eines wunderschönen Arbeitsplatzes.» 

Patrick Daepp: «Wir freuen uns, wenn sich die Leute ein Stück Natur nach Hause holen und einen Kraftort schaffen.»
Patrick Daepp: «Wir freuen uns, wenn sich die Leute ein Stück Natur nach Hause holen und einen Kraftort schaffen.»
 
 

Text: Rebekka Haefeli, Fotos: Gaëtan Bally
aus: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 2/2018

Bezugsquelle:
Gartenpflanzen Daepp
3110 Münsingen
Tel. 031 720 14 44
www.daepp.ch

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