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Secondhand zum Bauen

Der Architekt Olivier de Perrot verschafft alten Türen, Treppen oder Fenstern ein neues Leben. Der Neuenburger hat im Internet eine Plattform für die Wiederverwendung von Bauteilen gegründet.

 
 
Olivier de Perrot hat mit Salza eine innovative Internet-Plattform geschaffen für die Wiederverwendung von Bauteilen.zoom
Olivier de Perrot hat mit Salza eine innovative Internet-Plattform geschaffen für die Wiederverwendung von Bauteilen.

Der Handel mit Bauteilen aus zweiter Hand wird heute professionell und unkompliziert im Internet abgewickelt. Die Plattform, die der Architekt Olivier de Perrot vor knapp zwei Jahren gegründet hat, ist online unter www.salza.ch zu finden. Die Internetseite will Architekten, Designern und Bauherrschaften ermöglichen, gebrauchte Bauteile zu entdecken und wiederzuverwenden. De Perrot kämpft mit seiner Plattform gegen die weit verbreitete Wegwerfmentalität. Diese ist heute so selbstverständlich geworden, dass die Bedeutung des Wortes sogar im Duden erklärt ist: «Mentalität, nach der Dinge, die wieder verwendet (nach einer Überholung, einer Reparatur) oder weiterverwendet werden könnten, aus Überfluss oder aus Bequemlichkeit weggeworfen werden.»

Originelle Kombinationen

Das Angebot auf Salza reicht von Leuchtreklamen über Türen, Lavabos, Küchenschränke, Garagentore, Treppen, Parkettböden und Fenster bis zum Wandtäfer aus der Altbauwohnung. Das Projekt wird vom Bundesamt für Umwelt finanziell unterstützt. «In der Schweiz werden jedes Jahr 3200 Abbruchbewilligungen erteilt», rechnet de Perrot vor. «Die Bauteile wandern ins Recycling. Besser ist, sie direkt wieder einzusetzen.» Mit seiner Plattform hat er einen Weg gefunden, Anbieter und Käufer von Bauteilen vor Abbruch eines Hauses zusammenzubringen. Die Vermittlungsgebühr ist abhängig von der Grösse eines Gebäudes, aus dem die Bauteile stammen. Sie beträgt zwischen 80 und 300 Franken. Dafür kann der Anbieter Beschreibungen und Fotos von so vielen Bauteilen publizieren, wie er möchte. Über den Verkaufspreis verhandeln Käufer und Verkäufer unter sich. Mitmachen kann jede und jeder. Kostbar im Sinne von historisch wertvoll müssen die Bauteile, die auf Salza angeboten werden, nicht sein.

Wer Inspiration sucht, klickt auf der Plattform auf «Erfolgsgeschichten»: Das vegetarische Restaurant Hiltl in der ehemaligen Zürcher Sihlpost ist unter diesem Schlagwort vertreten. Im Lokal haben die früheren Posttheken und Postfächer eine originelle neue Verwendung bekommen. Andere Beispiele stammen aus dem Ausland. Zu sehen sind Fotos aus einem Gebäude in der spanischen Hauptstadt Madrid, wo viele tausend alte Ziegel mit Mörtel zu Trennwänden verbaut wurden. Die raumhohen Wände wirken gleichzeitig filigran und skulptural. Als symbolträchtiges Beispiel ist der neue Hauptsitz des EU-Rats in Brüssel aufgeführt; ein spektakuläres Haus, an dessen Fassade wie Patchwork Hunderte von Fenstern aneinandergefügt sind.

Das Architekturforum Pavillon de l’Arsenal der Stadt Paris hat eine Wanderausstellung gestaltet, die Olivier de Perrot begleitend zur Internet-Plattform für die Schweiz betreut. Die Ausstellung hat bereits an der ETH Zürich, in Genf, Yverdon und Lausanne Halt gemacht. «Matière grise» heisst ihr Titel, was so viel bedeutet wie «Gehirn» oder «graue Zellen». Die Schau will sensibilisieren, Initiativen ankurbeln und die Kreativität wecken. «Wenn sie darüber nachdenken, sind viele Leute entsetzt darüber, was alles weggeworfen wird», sagt de Perrot. «Unser Konsumverhalten muss sich dringend verändern.»

In Zürich gestrandet

Olivier de Perrot ist ein visionärer Geist mit Humor. Im Gespräch gestikuliert er lebhaft und lacht viel. Der Architekt ist kein Theoretiker. Er setzt seine Idee der Wiederverwertung in seinen eigenen Entwürfen um. Am Ufer des Neuenburgersees arbeitet er zurzeit an einem grösseren Um- und Neubauprojekt, in dessen Mittelpunkt ein herrschaftliches Gutshaus mit Scheune steht. Den Dachstuhl des Nebengebäudes will er ausbauen und durch eine neue, vorfabrizierte Konstruktion ersetzen. Das alte Holz aus der Scheune wird er in die am selben Ort geplanten Neubauten integrieren.

Der 67-jährige Romand ist in der Nähe von Neuenburg aufgewachsen und kam in den siebziger Jahren zum Studieren nach Zürich. «Die ETH war damals schon international geprägt; viele Westschweizer, aber auch Franzosen studierten in der Limmatstadt», erinnert er sich. «Ich habe mich in Zürich sofort wohlgefühlt.» Noch während des Architekturstudiums brachte seine damalige Frau den ersten von zwei Söhnen zur Welt. Inzwischen ist de Perrot schon lange Grossvater. Einer seiner Söhne ist wie er Architekt geworden. Er lebt in Paris. Der zweite ist Schauspieler und ein Teil des Duos Zimmermann & de Perrot.

«Unser Konsumverhalten muss sich dringend verändern», sagt Architekt Olivier de Perrot.zoom
«Unser Konsumverhalten muss sich dringend verändern», sagt Architekt Olivier de Perrot.

Offenheit und Flexibilität
Das Büro des umtriebigen Westschweizers befindet im Zürcher Kreis 5, in einer Ateliergemeinschaft mit anderen Kreativen wie Textern oder Grafikern. Sein Reich befindet sich im zweiten Stock, in einem grossen, hellen Raum mit Sprossenfenstern. Von hier sieht man auf die Dächer der Arbeiterhäuser im ehemaligen Industriequartier. Vis-à-vis der Fensterfront steht ein Büchergestell. An einer seitlichen Wand hängen aktuelle Projektskizzen. In der Mitte des Raumes befinden sich vier Tische, die de Perrot zu einer einzigen Arbeitsfläche zusammengeschoben hat. Manchmal arbeitet er alleine hier. Für einzelne Projekte engagiert er eine wechselnde Zahl von Mitarbeitenden. Ob er schon als Kind von einem Leben als Architekt geträumt hat? «Nein», sagt er, «ich habe mich schon immer für sehr vieles interessiert. An der Architektur fasziniert mich die Nähe zum Leben, die Verbindung zum Alltäglichen.» Wichtig sei Flexibilität und Offenheit im Denken und Handeln. Der Architekt sollte den Bewohnern die Möglichkeit lassen, die Räume nach ihren Bedürfnissen zu nutzen und mit Leben zu füllen. «Als Architekt sollte man sich immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass man nicht für sich und für andere Architekten baut. Man baut Häuser für die Leute, die darin wohnen.»

Ein Fuss in der Romandie
De Perrots Referenzen zeugen von seiner Vielseitigkeit. Seit mehreren Jahren ist er mit der Planung eines neuen Wohnquartiers in Moudon im Kanton Waadt beauftragt. Es wird ein Quartier sein für mehrere tausend Menschen, das auf der grünen Wiese aus dem Boden gestampft wird. Etwas länger zurück liegt die Erweiterung eines Einfamilienhauses im Kanton Baselland, die er konzipiert hat. Der moderne Annex besteht aus zwei modernen, ineinander verschachtelten Boxen aus Beton und Holz mit viel Glas. Ein weiteres, aktuelleres Beispiel seines Schaffens ist der Neubau eines Mehrfamilienhauses an einer stark befahrenen Ausfallstrasse in Zürich. Hier arbeitete der Architekt mit dem Schweizer Künstler Olivier Mosset zusammen, der einen Teil der Fassade farbig gestaltete.

Olivier de Perrot ist in der ganzen Schweiz tätig und entsprechend viel unterwegs. «Ich habe nach wie vor einen Fuss in der Romandie», sagt er mit seinem charmanten Akzent. Reisezeit und Reisekosten verrechne er innerhalb der Schweiz jedoch nie. «Wenn ich in Paris arbeiten würde, hätte ich auch zwei Stunden von einem Ende der Stadt ans andere.» De Perrot lebt in der Stadt Zürich – als Mieter. Manchmal träume auch er von einem Eigenheim, gibt er zu. Etwas Spezielles müsste es sein. «Am liebsten wäre mir ein kleiner Pavillon. Ein lauschiges Häuschen, möglichst weit draussen, mitten in der Natur.»

Internet-Plattform Salza
www.salza.ch


Text: Rebekka Haefeli, Fotos: Gaëtan Bally
aus: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 6/2017

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