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Kuschelfeuer oder Heizung?

Ein Cheminéeofen im Wohnzimmer ist gemütlich und kann als Heizungsunterstützung oder als Hauptheizung dienen. Vor der Anschaffung sollte man sich gründlich darüber informieren, welche Art von Cheminée für die eigenen Bedürfnisse am dienlichsten ist.

Die Anfeuermethode von oben, mithilfe eines Anfeuermoduls, vermindert den Schadstoffaustoss.zoom
Die Anfeuermethode von oben, mithilfe eines Anfeuermoduls, vermindert den Schadstoffaustoss.
Damit die Holzfeuerung so gemütlich flackert, sollte nur trockenes, unbehandeltes Holz verfeuert werden.zoom
Damit die Holzfeuerung so gemütlich flackert, sollte nur trockenes, unbehandeltes Holz verfeuert werden.
 

Bei günstigen Voraussetzungen kann ein Niedrigenergiehaus – zum Beispiel im Minergie-Standard – praktisch vollständig in einem Cheminée beheizt werden. Wer mehr erwartet als einige gemütliche Abende am knisternden Cheminéefeuer muss sich allerdings im Klaren sein über Holzverbrauch, Lagermöglichkeiten und Arbeitsaufwand zum Feuern.  

Cheminéeöfen können meist ohne bauliche Massnahmen aufgestellt und an einen vorhandenen Kamin angeschlossen werden. Sie müssen einzig der Feuerpolizei angemeldet werden. Diese kann Unterlagen anfordern, wenn Boden oder Wände brennbar sind, und Abschirmungen verlangen.

Sogenannte «leichte» Cheminéeöfen haben ein Gewicht zwischen 100 und 200 Kilogramm. Sie haben kaum Speichermasse und geben die Wärme rasch an den Raum ab. Anders bei Speicher-Cheminéeöfen: Sie sind 200 bis weit über 1000 Kilogramm schwer. Grundsätzlich gilt: Je mehr speicherfähige Masse, desto grosser ist auch die Speicherwirkung. Das Gewicht ist in dieser Beziehung durchaus ein Qualitätsmerkmal. Vor dem Kauf sollte man sich aber die Speicherwirksamkeit unbedingt erklären lassen.  

Die Online-Suchhilfe www.topten.ch listet leichte Cheminéeöfen und Speicher-Cheminéeöfen. Alle Produkte tragen das Qualitätssiegel von Holzenergie Schweiz. Geprüft werden für dieses Zertifikat unter sehr strengen Bedingungen lufthygienische, energetische und sicherheitstechnische Anforderungen. Alle Topten-Modelle halten die Richtwerte nach geltender Luftreinhalteverordnung ein.  

Dies gilt allerdings nur für korrektes Feuern. Das heisst: Es wird ausschliesslich naturbelassenes, trockenes Holz verbrannt. Verboten ist es, Abfälle, verschmutztes Holz (Farbe, Holzschutzmittel usw.), viel Papier oder gar Karton zu verbrennen. Die freigesetzten Schadstoffe – unter anderem hochgiftiges Dioxin – können den Kamin und auch die Lungen von Menschen in der Umgebung schädigen. Ebenso wird die Asche kontaminiert. Im Gegensatz zu einem solchen Giftcocktail kann die Asche von sauberem Holz im Garten als Dünger verwendet oder dem Kompost beigemischt werden.

Von oben anfeuern
Angesichts der Feinstaubproblematik wurde eine neue Anfeuermethode entwickelt und erfolgreich getestet, die beim Anfeuern einen deutlichen verminderten Schadstoffausstoss bewirkt, statt das Holz wie bisher unten anzuzünden, wird die Ofen-Beladung von oben in Brand gesetzt. Dazu wird ein sogenanntes Anfeuermodul mit einer Zündhilfe (zum Beispiel wachsgetränkte Holzwolleröllchen) zusammengestellt und oben auf dem Holzstoss platziert. Erst wenn es keine Flammen mehr hat, soll neues Holz auf die starke Glut nachgelegt werden. Wenn nicht nachgelegt wird, Luftklappe am Ofen etwas drosseln. Erst wenn keine Glut mehr sichtbar ist, Ofen- und auch Kaminklappe ganz schliessen.


Text: Armin Braunwalder
aus: Das Einfamilienhaus 05/13