Schweizer Magazin für Bauen, Wohnen, Haus und Garten

Lieblingsplätze im Garten

Der eigene Garten verspricht Ruhe, Zeit für Familie und Freunde, zum Entschleunigen und Entspannen. Umsichtig gestaltet, wird der Aussenraum zum Lebensraum, der Sitzplatz zum Lieblingsplatz. Die 21. Ausgabe der «Gardina» unter dem Leitthema «Lieblingsplätze» zeigte Beispiele.

Wie die Wohnkultur, so entwickelt sich auch die Gartenkultur laufend weiter. Wohin die Reise geht, lässt sich an Ausstellungen und Messen erahnen, wo die Branche die neusten Trends präsentiert. Wer in Sachen Lifestyle im Garten auf dem Laufenden sein will, geht an die Giardina, seit 21 Jahren ein Event von internationaler Bedeutung. Eintauchen in blühende Blumenmeere gehört dazu, Staunen über extravagante Installationen, mutige Kombinationen und technische Innovationen. Fürs Fachpublikum ist die Veranstaltung ein Muss. Aber auch gartenbegeisterte Privatleute standen wie jedes Jahr an den Messekassen Schlange, um sich beim Messerundgang inspirieren zu lassen und eine Prise Gartenglück zu geniessen. Denn in den Messehallen beginnt der Frühling etwas früher als im Freiland.

Rückzug ins Private
«Outdoor-Räume werden uns immer wichtiger», stellt Ausstellungsleiter Christoph Kamber fest und betont die Bedeutung der Messe als Inspirationsplattform und als Wirtschaftsmotor der Branche. Der eigene Garten in eines der letzten Refugien, wo Musse erlaubt ist. Wo man aufs Handy verzichten kann und es das WLAN höchstens braucht, um die technischen Helfer von der Bewässerung bis zum Rasenroboter laufen zu lassen, aber bitte dezent im Hintergrund. Mit dem Thema «Lieblingsplätze – Orte zum Leben und Träumen» hatte die Messeleitung den Zeitgeist getroffen und den Bogen weit gespannt. Denn man muss kein Grossgrundbesitzer sein, um seinen Lieblingsplatz im Freien zu haben. Schon ein kleiner Balkon, liebevoll ausgestattet, kann viel Freude machen. Die Urban Gardening Bewegung macht es vor. In Körben hängendes Naschobst, Kräuter im Topf und hübsches Mobiliar genügen, und die grüne Oase ist einladend eingerichtet. Es braucht nicht viele Quadratmeter fürs Gartenglück. Im Gegenteil, ein kleiner Raum kann mit wenigen Handgriffen jede Saison immer wieder neu und überraschend umgestylt werden.

Natürlich arrangiert
Wir durften die Landschaftsarchitektin Sabine Stauffer auf dem Spaziergang durch die Messehallen begleiten. Durch Showgärten, die für wenige Messetage hergerichtet waren und doch wirkten, als seien sie über Jahre gewachsen. Mit geschultem Blick stellte die Fachfrau einen Trend zu mehr Natürlichkeit fest. Während in früheren Jahren möglichst viele Pflanzen für die Messe vorgetrieben waren und sich in voller Blüte präsentierten – ein Zustand, der in der Natur kaum anzutreffen ist – war diesmal nicht alles wie auf dem Präsentierteller hergerichtet. Ein Farn, der sich gerade erst ausrollt, ein Obstbaum kurz vor der Blüte birgt ein Versprechen, lädt zum Wiederkommen ein und verlangt nach Geduld, einer Tugend, die die Natur früher oder später jedem Betrachter und jeder Gärtnerin beibringt.

Rückzugsorte schaffen
«Ein Garten ist dann interessant, wenn nicht alle Bereiche auf den ersten Blick zu sehen sind», ist  Landschaftarchitektin Stauffer überzeugt. »Es ist spannend, wenn es etwas zu entdecken gibt. Das macht den Reiz aus.» Deshalb rät sie zu Gestaltungen, die Überraschungen bereithalten. Verborgene Nischen und Sitzplätze sind wunderbare Rückzugsorte und haben das Potenzial, zum ganz privaten Lieblingsplatz zu werden. Ebenfalls aus der Sicht des Profis blickt Gartenbauingenieur Patrick Daepp auf die Messe zurück, Inhaber der Erlebnisbaumschule Daepp mit Gartencenter in Münsingen/BE. Das Thema «Lieblingsplatz» findet er einerseits zeitlos, andererseits sehr aktuell angesichts immer kleinerer Grundstücke und der Tatsache, dass viele Leute wenig Platz haben. Realistische, kleinformatige Beispiele könne man nicht genug zeigen, ist sein Fazit, «es dürften ruhig noch mehr sein». Als Aussteller war Daepp bereits zum fünften Mal an der Giardina. Er zeigte, an aktuelle Modetrends angelehnt, einen Garten-Laufsteg mit drei Trendwelten Safari, Godesses und Spiritual House.

Lieblingsplätze für Bienen und Vögel
Und was wird gepflanzt? An der Messe und in der Baumschule sei zur Zeit die Nachfrage nach Zwergobst, Beeren und Kräutern gross, berichtet Patrick Daepp. Ausserdem stellt der Pflanzenspezialist ein grosses Interesse am Thema Biodiversität fest. «Die Leute wollen helfen, die Biodiversität zu fördern, mit Pflanzen, die eine gute Bienen- und Vogelweide sind.» Das heisst aber nicht, dass man prinzipiell nur einheimische Pflanzen einsetzen dürfte, betont Daepp. Bienen wissen auch Trachtpflanzen aus anderen Regionen zu schätzen, besonders wenn es Früh- und Spätblüher sind. Schön, wenn der Lieblingsplatz im Garten am Ende Mensch und Tier gefällt.

Gartenevent der Extraklasse
Rund 64 000 Besucher haben Mitte März die 21. Ausgabe der Giardina in den Zürcher Messehallen besucht. Rund 280 Aussteller präsentierten Inspirationen und Innovationen rund um das Leben im Garten, auf der Terrasse und auf dem Balkon. Das Leitthema «Lieblingsplätze im Freien» wurde in 19 Schaugärten vielseitig interpretiert. Die spektakulären Inszenierungen begeisterten Privat- und Fachpublikum gleichermassen.

Wer baut den schönsten Stand? Diese Frage beantwortet jeweils der «Giardina Award». Die Auszeichnung, verliehen in sechs Kategorien von einer unabhängigen Fachjury, gilt als «Oscar» der grünen Branche. Entsprechend gross ist die Spannung im Vorfeld und bei der Verleihung. Insgesamt 17 Projekte wurden in diesem Jahr geehrt. Hier die Gewinner des «Giardina Award» 2019.

Die nächste Giardina findet vom 11.–15. März 2020 in der Messe Zürich statt. www.giardina.ch

Text: Christine Vollmer, Fotos: MCH Messe Zürich/Giardina/PD
aus: Das Einfamilienhaus, Heft Nr. 3/2019

Artikel teilen
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen
Klicken Sie auf Ihrem Smartphone Zum Home-Bildschirm, um ein Icon der Website dem Startbildschirm hinzuzufügen!