Schweizer Magazin für Bauen, Wohnen, Haus und Garten

Smart geplant

Auf den ersten Blick: einfach ein schönes Haus, eine markante Erscheinung. Auf den zweiten Blick beeindruckt viel nützliche Technik, die ihren Dienst diskret im Hintergrund verrichtet. Das Einfamilienhaus ist smart geplant.

Spiel von Licht und Schatten: Der Entwurf bekam den Namen «Lightshades».
Spiel von Licht und Schatten: Der Entwurf bekam den Namen «Lightshades».

Ein «Bing!» ertönt auf dem Smartphone des Bauherren. Eine Nachricht zeigt ihm an: Er hat Post bekommen. Da er und seine Familie gerade nicht zu Hause sind, schaut er über sein Mobilgerät gleich noch nach, ob sonst alles in Ordnung ist zu Hause. Die Aussenkameras zeigen keine verdächtigen Bewegungen, die scharf gestellte Alarmanlage verhält sich ruhig, alles bestens. Möglich macht diese Verbindung mit dem eigenen Zuhause von unterwegs intelligente Haustechnik. «Wir legten grossen Wert auf schlichte Intelligenz, daher wollten wir gerne ein Smart-Home-System», berichtet der Bauherr. «Die Technik sollte sich aber dezent im Hintergrund halten, denn einem Haus sieht man im besten Fall nicht an, dass es smart geplant wurde.»

Eine markante Erscheinung
Architektonisch ist das Haus mit Flachdach dagegen eine markante Erscheinung. Nicht nur wegen seiner Kanten und Geradlinigkeit. Auch die Schichtung der Gebäudevolumina mit Vor- und Rücksprüngen fällt ins Auge. Die Plastizität der Baukörper wird zusätzlich betont durch die Farbgebung in verschiedenen Sand-Abtönungen. «Die Licht- und Schattenspiele auf der Fassade wirken durch die nuancierte Farbgebung der einzelnen Volumina noch verspielter», erläutert hierzu die Architektin, die dem Entwurf den Namen «Lightshades» gegeben hat. 

Hier bleibt man gerne etwas länger sitzen.
Hier bleibt man gerne etwas länger sitzen.
Grosse Glasfronten öffnen das Familienzentrum nach aussen.
Grosse Glasfronten öffnen das Familienzentrum nach aussen.

Für drei Generationen
«Wir wollten ein Drei-Generationen-Haus, um unseren Grossvater hier aufnehmen zu können. Und wir wollten kein weisses Haus», fasst der Bauherr die funktionalen und gestalterischen Vorgaben zusammen. Das Ergebnis sieht so aus, dass das Haus aus zwei separaten Wohneinheiten besteht. Der Grossvater wohnt in der komplett separierten Einliegerwohnung, die sich über zwei Stockwerke erstreckt und über eine eigene Gartenterrasse und einen eigenen Hauszugang verfügt. Eine Treppe verbindet die beiden Wohnebenen. Das Obergeschoss weist mehr Grundfläche auf, da es sich über die in den Baukörper integrierte Garage erstreckt.

Das unterkellerte Haus ist klassisch gegliedert. Im Erdgeschoss befindet sich ein grosser, offener Wohn-/Ess-/Kochbereich. Grosse Glasflächen öffnen das familiäre Kommunikationszentrum nach aussen. Die stimmige Innenausstattung und Möblierung – ein Markenzeichen der Marty Designhäuser – unterstreichen die Grosszügigkeit des Raumes. Ein Arbeitszimmer gleich hinter dem Entrée ergänzt das Raumangebot im Erdgeschoss. Die Architektin betont das Dachfenster und die offene Treppe, die den Eingangsbereich hell und luftig machen.

Hohe Räume
Im Obergeschoss befinden sich die Rückzugsräume der Familie. Die Eltern verfügen mit Schlafzimmer, Bad mit grossem Fenster und Ankleide über einen separaten Trakt, hinzu kommen die beiden Kinderzimmer mit zugeordnetem Duschbad. «Die überhohen Räume im Obergeschoss erzeugen eine spannende Wirkung und geben dem Schlafbereich das gewisse Etwas, ergänzt durch die zwei Dachfenster, die auch in den mittleren Räumen Licht einbringen», erklärt die Architektin.

In der Tat, angesichts der räumlichen und gestalterischen Highlights fällt die intelligente Technik beim Rundgang durchs Haus nicht ins Auge. Präsent ist sie aber allemal. Das Smart-Home-System basiert auf der Technik des österreichischen Herstellers Loxone. Für Roman Schweizer, Elektro-Projektleiter bei der Bingesser Huber Elektro AG, hat dieses System den Vorteil, dass es sowohl über eine Datenleitung, als auch per Funk funktioniert. Die Datenleitung wird parallel zu den Elektroleitungen verlegt. Eventuelle spätere Ergänzungen können über Funk angeschlossen werden.

Das Gäste-WC. Die Kinder haben ein eigenes Bad. 
Das Gäste-WC. Die Kinder haben ein eigenes Bad. 
Der Wohn-, Ess- und Kochbereich in der Einliegerwohnung ist offen gestaltet.
Der Wohn-, Ess- und Kochbereich in der Einliegerwohnung ist offen gestaltet.

Panikschalter inbegriffen
An das System angebunden sind alle Leuchten, Storen sowie die Alarmanlage mit Fenster- und Türkontakten und den bereits erwähnten Aussenkameras. Nicht nur wenn der Briefträger eine Postsendung einwirft, werden die Hausbesitzer benachrichtigt, sondern auch dann, wenn ein Einbrecher versuchen würde, sich Zugang zu verschaffen. Das System ermöglicht auch die Einrichtung eines Panikschalters, der zum Beispiel neben dem Bett angebracht wird. Vernehmen die Bewohner verdächtige Geräusche, lösen sie per Tastendruck Alarm aus mit der Folge, dass zum Beispiel Licht grell aufblinkt, die Jalousien hochfahren und Musik in voller Lautstärke ertönt. Auch die Gartenbewässerung verrichtet ihren Dienst intelligent. «Dank Sensorik und Wettermeldungen weiss das System, ob und wie viel Wasser benötigt wird», erklärt Schweizer.

Schalter oder Smartphone
Die Bedienung der Hausautomation erfolgt übers Tablet, Smartphone oder per Touch Panel an der Wand. Die Visualisierungssoftware gehört zum Lieferumfang. «Funktionen wie Lichtstimmungen können unkompliziert selber programmiert werden», betont Schweizer. Die ganz klassische Bedienung einzelner Funktionen über Wandschalter ist natürlich weiterhin möglich. Dabei können hier im Haus mehrere Funktionen auf einen Schalter gelegt werden, zum Beispiel Licht und Storen. Das Geheimnis dahinter: Der Schalter ist in mehrere Tastfelder unterteilt. Unsichtbar integrierte Sensoren messen zudem Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Räumen.

Bei dieser Hausautomation handelt es sich, wie Schweizer erklärt, um ein «selbstkalibrierendes» System. «Das bedeutet, das System kann dazulernen. Ein Temperaturbaustein misst Aussen- und Innentemperaturen, gleicht sie ab und veranlasst Befehle, sodass zum Beispiel morgens um sechs Uhr die Raumtemperatur im Bad 25° beträgt.» Für optimalen Komfort und Betriebssicherheit empfiehlt der Elektrofachmann eine Wartung nach einem halben oder ganzen Jahr. Dann kann die Funktionalität an die Alltagserfahrungen der Bewohner angepasst werden.

Kraftwerk auf dem Dach
Ein weiterer wichtiger Faktor in diesem Haus ist die Energietechnik. Hier fällt die Energiebilanz durch die Nutzung regenerativer Energien sehr gut aus. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe versorgt beide Wohnungen mit Wärme für Heizung und Warmwasser. Den Strom bezieht die Wärmepumpe von der grossen Doppel-Photovoltaikanlage, die mit einer Spitzenleistung von 19 Kilowatt peak (kWp) ein wahres Kraftwerk darstellt, zumal in Koppelung mit einem 15-Kilowatt-Batteriespeicher.

André Stierli, Inhaber der Stierli Solar GmbH, hat die Energietechnik für dieses Haus geplant und installiert. Er erklärt die sinnvolle sechsstufige Hierarchie, nach der der Stromverbrauch geregelt ist. «An erster Stelle steht der Eigenverbrauch. Dann wird die Batterie aufgeladen», führt der Experte aus. Weiterer Strom wird für den Betrieb der Wärmepumpe und dann des Warmwasserboilers genutzt. «Momentan ist die PV-Anlage eigentlich überdimensioniert, doch das hat seinen Grund», erklärt Stierli. «Denn vielleicht legt sich der Hausbesitzer in naher Zukunft ein Elektroauto zu.» Dieses steht dann an fünfter Stelle bei der Stromversorgung. Erst ganz am Schluss ist die Einspeisung ins öffentliche Stromnetz vorgesehen. Wichtig für die Versorgungssicherheit: Das ganze System ist notstromfähig, sodass für eine gewisse Zeit auch ein Ausfall des öffentlichen Stromnetzes überbrückt werden kann.

Die Energietechnik ist nur zu Informationszwecken mit dem Smart-Home-System verknüpft: Energieverbräuche werden visualisiert und überwacht oder Fehlermeldungen angezeigt. Das heisst, das Energiesystem liefert Daten an das Smart-Home-System, wird aber nicht von diesem gesteuert. Theoretisch wäre das zwar möglich, aber: «Das wäre mit einem hohen Programmieraufwand verbunden, und die Kosten sollten doch im Verhältnis zum Nutzen stehen», gibt Smart-Home Experte Roman Schweizer zu bedenken.

Spannende Architektur, spannende Technik – dieses Haus verbindet beides unter einem Dach. Sehr zur Freude der Bewohner, die das Raumgefühl, den Komfort und die Sicherheit in vollen Zügen geniessen.

Licht schafft Räume: Die smarte Technik dahinter ist unsichtbar. 
Licht schafft Räume: Die smarte Technik dahinter ist unsichtbar. 

Weitere Einblicke in das individuelle und smarte Marty Design Haus gibt es im Magazin Das Einfamilienhaus.
Die Ausgabe 6/2018 lässt sich online bestellen.

Text: Joachim Hoffmann, Fotos: Stefan Küng
aus: Das Einfamilienhaus, Heft 6/2018

Architektur
Marty Häuser AG
9501 Wil
Tel. 071 913 45 45
www.marty-designhaus.ch

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