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Hausbau: Die idealistische Lösung

Im Dorfkern von Igis haben zwei junge Architekten ihr Wohnhaus auf einen 500 Jahre alten Keller gesetzt. Das «Türmli» von Igis ist ein umsichtiger Beitrag zum Thema Verdichtung und das Haus erweist gleichzeitig alter Baukultur die Ehre.

Am Ortseingang: Hier biegt das Postauto rechts um die Kurve. Links erhebt sich der weisse Neubau, behutsam in die Häuserzeile eingefügt.
Am Ortseingang: Hier biegt das Postauto rechts um die Kurve. Links erhebt sich der weisse Neubau, behutsam in die Häuserzeile eingefügt.
Die Architekten Samuel Brändli und Giovanna Gioia Brändli geniessen ihr unkonventionelles Haus.
Die Architekten Samuel Brändli und Giovanna Gioia Brändli geniessen ihr unkonventionelles Haus.

Die Fahrt vom Bahnhof Landquart mit dem Postauto nach Igis in Richtung Untervaz dauert neun Minuten. Wer zusteigt, grüsst die Mitreisenden, wer aussteigt, ebenfalls. In Igis angekommen sieht man malerische historische Häuser mit Innenhöfen und Spalierobst, am Dorfplatz eine stillgelegte alte Molkerei und die moderne «Krone», Baujahr 2012, eine wuchtige Überbauung mit Restaurant, Kindergarten und Alterswohnungen. Seit 1.1.2012 ist Igis Ortsteil von Landquart, doch es hat nach wie vor einen dörflichen, ländlich-idyllischen Charme.

Auf alten Mauern
Wo Ober- und Untergasse im spitzen Winkel zusammentreffen und der alte Dorfkern von Igis beginnt, steht seit rund 500 Jahren der Torggel. Frühere Generationen kelterten in dem kleinen Gewölbe ihren Wein, wie man es in der nahen Bündner Herrschaft heut noch tut. Der letzte Weinberg von Igis wurde kürzlich überbaut, doch vereinzelt sieht man noch Reben in den Gärten und an den Hauswänden. Im Grotto war in letzter Zeit nur Gerümpel untergebracht. Das Haus, das sich einst darüber erhob, ist längst verschwunden. Seit kurzem aber wird wieder Wein ausgeschenkt im alten Torggel: Ein Schild zeigt den Saisonbeginn an: «La Vineria» ist geöffnet, jeden Freitagabend, von Ende April bis Ende Juni.

Die beiden, die dort italienischen Rotwein kredenzen, sind allerdings keine Gastronomen. Samuel Brändli und Giovanna Gioia Brändli sind zwei initiative junge Architekten, die neues Leben in die alten Mauern gebracht haben. «Wir machen das als Reverenz an die 500-jährige Geschichte des Gebäudes, und auch, um den Dorfkern wieder zu beleben», erklärt Samuel Brändli. Der Keller ist voll an den Freitagabenden im Frühsommer, die Nachfrage gross. Wenn es danach ginge, könnten die Öffnungszeiten erweitert werden. Doch in erster Linie sind Brändli Gioia Architekten, und der Keller ist nur ein Teil eines grösseren Projekts. Ihr Architekturbüro ist gleich nebenan, mit Schaufenster zur Strasse, in einem mit einfachen Mitteln umgebauten Kuhstall, und auf dem alten Keller erhebt sich, schlank und rank, das Wohnhaus des jungen Paares.

Die ganze Geschichte über das Wohnhaus «Türmli» ist im Magazin Das Einfamilienhaus, 4/2018 zu lesen.
Das Heft lässt sich online bestellen.

Von der Haustür ist es ein Schritt zum Esstisch.
Von der Haustür ist es ein Schritt zum Esstisch.
Mal Gästezimmer, mal Partyraum: Die Räume sind flexibel.
Mal Gästezimmer, mal Partyraum: Die Räume sind flexibel.

Text: Christine Vollmer, Fotos: Ralph Feiner

Architektur:
Brändli Gioia Architekten
7206 Igis
Tel. 081 330 38 38
www.braendligioia.ch

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